Freitag, 31. August 2012

„Für weitere Informationen: Klicken Sie einfach ‚dw.de‘“

Teil 2: Die absolute Plattform: Das Internet



Da die Nachrichten nur fünf Minuten (oder manchmal auch unwesentlich länger) dauern, wird man tröstend auf das Internet verwiesen: „Für weitere Informationen: Klicken Sie einfach ‚DW.de‘“. Tun dies meine Rentnerkunden, schalten sie erschreckt gleich wieder ab. Sie rufen mich an und fragen, was sie eintippen müssen, um die „Deutsche Welle“ im Internet zu erreichen. Ich sage es ihnen und bekomme immer das gleiche zu hören: „Das stimmt nicht, dort ist alles in englisch!“

In immer wieder kehrender Ruhe erläutere ich ihnen, daß das schon richtig ist, sie müßten die deutsche Web-Site, die in englisch vorliege, erst einmal auf deutsch umschalten. Da auch die Technik des Umschaltens in englisch erfolgt, bin ich es gewohnt, daß ich dem selben Anrufer nicht nur einmal, sondern viele Male erklären muß, wie er zum deutschen Inhalt gelangt. (Das damit auch nicht alle Inhalt in deutsch erscheinen, ist dann im Rahmen des allgemeinen Ärgers in seiner Schuldigkeit abgetan.)

Wenn die regierenden schon den Haushalt der „DW“ kontrollieren wollen, gehört jemand der eine solche Site entwickelt „hochkantig“ gekündigt. Es ist ein einfaches die im Browser des Anwenders eingestellte Sprache zu ermitteln und die Inhalte entsprechend zu gestalten.
Nach Rücksprache mit den (wahrscheinlich) Entwicklern teilt mir der „Stellvertretender Leiter Unternehmenskommunikation“, Berthold Stevens, mit, daß die Idee aufgegriffen worden sei und umgesetzt werden solle. Bis dahin gelte jedoch der Beschluß der Geschäftsleitung, das „dw.de“ in englischer Sprache verfaßt würde. (Wer es nicht weiß: „de“ ist die sogenannte Toplevel-Domain für Deutschland! – eine Domain kostet ca. 20 Euro im Jahr, hätte man doch „us“ als weitere genommen, das ist die Toplevel-Domain für die USA oder eine kostenlose Subdomain: „en.dw.de“, da hätte man die Sprache auch erkannt und reagieren können.)

Berthold Stevens hat es fertig gebracht, daß dieser Beitrag nicht zu einem völligen Zerriß der „DW“ führt. Die vorhergehende Kommunikation mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Hauses war mehr als peinlich.




Der Auftrag der „DW“

Genau ein Dialog wie ich ihn oben schilderte, führte mich zum wiederholten Male auf die Web-Site der „DW“. Ein Kunde hatte angerufen und mich um eine Übersetzung gebeten, für einen Inhalt, den er trotz Umstellung der Sprache auf deutsch, nicht lesen konnte, da er auf englisch abgebildet war.
Ich nahm mir die Zeit und schrieb den Sender an, um mich zu erkundigen, was mit der Internet-Site sei. Die tolle Antwort war (verkürzt): Tja, die deutsche Welle sei eben nicht für deutsche gemacht, sondern für ausländische Kunden, daher müsse man verstehen, daß, da in der Welt überwiegend englisch gesprochen würde, diese Sprache favorisiert wird. Falls Sendungen in deutscher Sprache ausgestrahlt würden, sei die Zielgruppe deutschlernende Ausländer.

Ich glaubte nicht richtig zu lesen und schrieb zurück (an Herrn/Frau Anonymus) und bat um den Kontakt zur Sendeleitung, da ich den Auftrag der „DW“ nun wissen wollte. Umgehend bekam ich Antwort, mit dem Hinweis auf einen Link, der mich über den Auftrag der „DW“ aufklären sollte. Möge der geneigte Leser selbst lesen:
  • Wir produzieren journalistische Angebote auf Deutsch und vielen weiteren Sprachen für Menschen im Ausland.
  • Wir vermitteln deutsche und europäische Sichtweisen.
  • Wir fördern den Dialog der Kulturen und setzen uns für Völkerverständigung und Toleranz ein.
  • Wir vermitteln die Werte freiheitlicher Demokratie und setzen uns für die Menschenrechte ein.
  • Wir berichten unabhängig, umfassend, wahrheitsgetreu und pluralistisch.
  • Wir liefern umfassende und unzensierte Informationen für Länder ohne Medienfreiheit, insbesondere Krisen- und Kriegsregionen.
  • Wir sind Kulturträger und vermitteln Kultur aus Deutschland und Europa.
  • Wir fördern die deutsche Sprache.
  • Wir geben unser Know-how an Partner weltweit weiter.
  •  Wir fördern durch unsere Glaubwürdigkeit das Ansehen Deutschlands weltweit.


Der Link an mich: http://www.dw.de/dw/0,,2995,00.html

Ich sah mich genötigt, Herrn/Frau Anonymus, zu fragen, ob er/sie den eigenen Auftrag schon einmal gelesen habe und was die Punkte 1, 2 und 8 wohl bedeuten könnten?

Ich wandt mich an die nächste Ansprechperson, Frau W., diesmal kam eine Antwort gar mit Namen. Sie setzte mich darüber in Kenntnis, wie die Site in eine andere Sprache umgeschaltet werden könne. Kein Wort zu meinem Anliegen, als habe Sie die Korrespondenz und meine Frage nicht gelesen. Jetzt weiß ich langsam, wie frustrierend die journalistische Tätigkeit heute sein muß, wenn man davon leben muß. Als ich noch hauptberuflich in diesem Job tätig war, wären solche „Unmöglichkeiten“ nicht denkbar gewesen und das auch noch von einer Fernsehanstalt!


Warum nicht gleich: Die Pressestelle!

Jetzt setzte ich mich mit der Leitung der Pressestelle in Verbindung. Ich schrieb direkt an die Adresse von Berthold Stevens und bat ihn sich der Problematik zu befassen.

Die Antwort kam umgehend und ich möchte wie folgt zitieren:
"Richtig ist, dass die allgemeine Adresse www.dw.de auf die englische Startseite führt. Dies hat ausschließlich damit zu tun, dass unser englischsprachiges Angebot nach den Erfahrungen über viele Jahre das am häufigsten genutzte im DW-Angebot ist. Ich sage Ihnen aber gern, dass die Entscheidung, dw.de auf die englische, nicht auf die deutsche Seite zu führen, auch innerhalb der DW kontrovers diskutiert wurde. Der Diskussionsprozess hat am Ende jedoch die Entscheidung für das Englische ergeben."

Das kommt davon, wenn Laien über ein Internetangebot entscheiden müßen und vergessen sich das entsprechende Know-how zur Beratung bei zu holen.

Weiteres Zitat gefällig:

"Wir produzieren journalistische Angebote auf Deutsch und vielen weiteren Sprachen für Menschen im Ausland. Diese 'Menschen im Ausland' sind alle, die auf Grund ihrer Sprachkenntnisse das deutsche Angebot nutzen können - also selbstverständlich auch alle Deutschen und Deutschstämmigen im  Ausland. Die Deutschen im Ausland sind nur deshalb nicht mehr wichtigste Zielgruppe der DW, weil diese Menschen inzwischen - vor allem über das Internet - Zugang zu zahlreichen deutschsprachigen Quellen aus Deutschland haben."

Tja, das kann nur behaupten, wer doch ein wenig weltfremd, sehr subjektiv ein Klientel betrachtet, daß man sich gerne zurecht legt, um Inhalt nach Gutdünken zumachen. Ach, es gibt ja Internet, da brauchen die Leute ja kein Fernsehen mehr. Wer kein Internet hat oder nicht kann, bleibt eben auf der Strecke. Und wer kein englisch kann ist selber schuld!
Und warum bitte betrifft das nur die deutschen, die jetzt keine Zielgruppe mehr sind? Haben alle anderen kein Internet?
Also, wenn alle Internet haben und keine Informationen der "DW" mehr benötigen, warum schaffen wir die "DW" nicht ab und sparen das Geld. Schade, daß die Sommerpause vorbei ist, das wäre ein Vorschlag für ein Hinterbänkler gewesen.

Weiter geht es:

"Wir fördern die deutsche Sprache. Auch das ist ein wichtiger Teil unseres Auftrags. Wir erfüllen ihn zum einen mit eben den deutschsprachigen journalistischen Angeboten und insbesodere mit dem multimedialen Angebot an Deutschkursen. Einen Überblick finden Sie hier:
www.dw.de/deutschkurse
Außerdem empfehle ich Ihnen die neue 'Weltzeit', die sich mit eben diesem Schwerpunktthema beschäftigt:
http://issuu.com/deutsche-welle/docs/weltzeit_4_2012"

Verdammt noch mal, meine deutschen Rentner wollen, keine Sprachkurse oder irgendwelche Literatur. Die wollen Fernsehen und Nachrichten und das in deutsch!

Es ist nicht so, daß es hier in Thailand keine ausländischen Fernsehprogramme gäbe: Die Engländer und Russen sind hervorragend aufgestellt. Nur das tolle Deutschland fehlt (bis auf die „DW“, die machen ja auch kein Programm für deutsche - siehe oben) gänzlich. Die großmäuligen privaten, die so viel mehr Fernsehen versprachen, sind ebenso wenig vertreten wie die öffentlichrechtlichen. 

Es ist wie mit den deutschen Botschaften: Der bürokraten Staat interessiert sich nur für sich selbst. Bürger sind da nur ein störender Faktor… Nennt man das dann „bürokratische Onanie“?


Ich verfolge das Thema weiter.