Sonntag, 9. September 2012

Die Job-Lüge





Erfolglose JobsucheWie der Fachkräftemangel Bewerber frustriert

Von Nicola Holzapfel
Von wegen Kampf um die Köpfe: Die Wirtschaft beschwört den demografischen Wandel und den damit einhergehenden Verlust von gut ausgebildeten Arbeitskräften. Das steht in krassem Gegensatz zu dem, was manche hochqualifizierten Bewerber bei der Jobsuche erleben. (weiter lesen...)


Ja, "Fortsetzung folgt", wäre anzumerken, wenn es zur Diskussion um "höher Qualifizierte" geht. Den Ansatz gibt es schon so lange, wie der Faktor "Mensch" in der Produktionskette um die Faktoren "Kosten" und "Produktivität" ergänzt wurde. So sind die echten "Macher" der derzeitigen Politik, kurz BWLer oder Betriebswissenschaftler genannt, auf die Formel "Human Resources" gekommen.

Vielleicht sollten in dieser Diskussion einige Faktoren ergänzt werden: zumindest Bildung und Kenntnisse. Dabei ist ersterer Faktor wohl der, der herzlich mit Füßen getreten wird und die rohstoffwüste Deutschland spielt dabei mit dem einzigen, was bisher ihr Kapital war: Das Know-How seiner arbeitenden Bevölkerung. Im Zusammenhang mit diesem Artikel sollte es wohl auch heißen, seiner arbeitenden und nicht arbeitenden Bevölkerung. Wer kann es sich schon leisten tausende von hoch qualifizierten Menschen aus dem Produktionsprozeß auszuschließen oder tolle Leute auszubilden (auf Kosten der Steuerzahler), damit diese anschließend im Ausland arbeiten?

Ärztemangel, Greencard? Was für ein Unsinn. Als ich noch in der Schweiz lebte und ins Krankenhaus mußte, waren es deutsche Ärzte und Schwestern die mich behandelten. Einfach da sie dort hervorragende Arbeitsbedingungen und eine angemessene Bezahlung bekamen. Wie kommen wir, Softwareentwickler, ins Ausland? Genau aus den gleichen Gründen. Da müßen doch Fragen gestattet sein, wie...

Lohngestaltung?


Es ist doch schon peinlich, wenn ein Land wie das Deutsche genötigt ist eine Diskussion über Lohndumping, Billiglöhne und Mindestlohn zu führen. Wenn arbeitende Menschen Sozialzuschüße benötigen und bei der Nivellierung der Sozialstandards in Europa, an die Untergrenzen gedacht wird, anstatt an einen Fortschritt.

Rentenentwicklung?


Die Diskussion baut auf der Frage "Lohngestaltung" auf: Wer schlechte Löhne hat, wird auch schlechte Sozialabgaben zahlen können und private Vorsorge? Wie bei den Krankenkassen, ein System in die Zweiklassengesellschaft.

Ausbildung, Kita?


Klar, das muß in einem Zusammenhang gesagt werden! Wer Kinder- und Jugendbildung so mit Füßen tritt, wie dies derzeit in Deutschland stattfindet, muß sich nicht wundern, daß die demographische Entwicklung so ist wie sie ist. Wobei Menschen, die unter der "Lohngestaltung" wie oben beschrieben leiden, wohl kaum auch noch Kinder in die Welt setzen wollen.

Die Themen sind natürlich verkürzt, sonst würde dies kein "Post", sondern ein Buch werden. Die Fragen sollte sich jedoch jeder stellen und darüber nachdenken: Wie soll es weiter gehen? Viele können sich mit abstrakten Forderungen zum Beispiel von den "Piraten" oder den "Linken" heute noch nicht anfreunden, aber denken wir einmal darüber nach... In wenigen Jahren werden sie mangels Alternativen von den heute etablierten Parteien postuliert werden! (Siehe derzeitige Diskussion zum Rentensystem.)

Fachkräftemangel?


Bundeskanzler Schröder (oder "Bundes-Unternehmerfraktionär"?) doktrinierte mit diesem Begriff schon vor Jahren, gemeint ist der Mangel an "Überschußkräften", die im Lohn- und Gehaltsgefüge gegeneinander ausgespielt werden können. Das kapitalistische Wirtschaftssystem kennt eben den Faktor "Mangel und Überschuß" zur Gänze. So wäre es ein willkommener Zustand, bei den Fachkräften aus dem Vollen schöpfen zu können, anstatt sich um die "wenigen" kümmern zu müßen.
Wäre es nötig die deutschen zu qualifizieren, sähe die Schulpolitik, der Kindergartenausbau und die Arbeit der entsprechenden Ämter anders aus. Nein, die Politik baut auf den Zuzug von Fachkräften aus dem Ausland, zu Billiglöhnen und im Hadern mit dem Sozialsystem.